Vorbereitung auf das Berufsleben

Die Vermittlung von Abgangsschülerinnen des Förderzentrums in eine Berufsausbildung verläuft selten geradlinig und ohne Brüche. Der Verdrängungswettbewerb zwischen den Abgängern der unterschiedlichen Schularten wird immer härter. Es gibt immer weniger niedrig qualifizierte Arbeitsplätze, die Anforderungen an eine berufliche Ausbildung werden immer höher geschraubt - wo bleiben da Schülerinnen vom Förderzentrum? Unsere Schüler benötigen deshalb eine besonders intensive und praxisnahe schulische Hinführung zum Berufsleben.
Sie müssen etwas anderes als gute Hauptschulnoten vorweisen, um überhaupt noch Chancen auf Ausbildung zu erhalten ( die sog. Schlüsselqualifikationen ).
Das Ziel für die Vierte Förderstufe der Schule zur Lernförderung und des Sonderpädagogischen Förderzentrums, die  
„ ... Chancen der Schüler und Schülerinnen der Vierten Förderstufe auf eine berufliche Eingliederung künftig zu erhöhen"
steht auch bei unseren Zielsetzungen für die Arbeit in der Oberstufe im Mittelpunkt.    

Betriebspraktikum

Die Schülerinnen der Klassenstufen 7, 8 und 9 machen regelmäßige Betriebspraktika zur Berufsfindung.
In der Klassenstufe 7 soll ein Einstieg geschaffen werden in die Berufsfindung. Die Schüler und Schülerinnen suchen sich im Idealfall selbst, aber auch mit Hilfen von den Eltern und der Schule Praktikumsplätze in zwei Bereichen und gehen jeweils im ersten und zweiten Halbjahr für eine Woche in ein Betriebspraktikum.
In der Jahrgangsstufe 8 wird dieser praktische Teil der Berufsfindung verfeinert und weiter ausgebaut. So suchen sich die Schülerinnen wiederum zwei Praktikumsplätze für jeweils ein Betriebspraktikum im ersten und zweiten Halbjahr, aber soweit sie nun schon genauer wissen, welchen Beruf sie ergreifen wollen, suchen sie nur noch in einem Bereich ( z. B. im Bereich Farbe oder Holz etc. ). Ausserdem gehen sie nach der Praktikumswoche an jedem Donnerstag, dem Praxistag, ganztägig in den Praktikumsbetrieb.
In der Jahrgangsstufe 9 sollte idealer Weise den Schülerinnen schon recht klar sein, in welche Richtung Berufswunsch und -eignung geht. Sie suchen wieder einen Praktikumsbetrieb für jedes Halbjahr und arbeiten dort erst eine Praktikumswoche und anschliessend jede Woche am Praxistag.
Begleitet werden Betriebspraktikum und Praxistag sehr intensiv von der Klassenlehrkraft, werden im BLO-Unterricht, aber auch in anderen Fächern aufgegriffen und vertieft und setzen sich möglichst in den Schüler-Übungsfirmen ( vgl. 7.3 ) fort.
Schon ab der 7. Jahrgangsstufe werden die Schülerinnen auch durch eine Mitarbeiterin aus der Agentur für Arbeit begleitet und beraten.

Schülerübungsfirmen (School-at-work)

In den Schüler - Übungsfirmen sollen die Schüler und Schülerinnen durch praktisches Handeln die Lernziele der arbeitspraktischen Fächer GtB und HsB ( gewerblich-technischer Bereich und hauswirtschaftlich - sozialer Bereich ) umsetzen und wirtschaftliche Zusammenhänge besser kennen und verstehen lernen. Weitere Ziele sind die Steigerung der Motivation durch Sichtbarmachung von Arbeitsergebnissen sowie die Vermittlung der von Wirtschaftsfachleuten immer wieder geforderten Schlüsselqualifikationen wie Eigeninitiative, Teamfähigkeit und Selbständigkeit.
Als zentrale Anliegen der Schülerübungsfirmen kristallisierte sich in Poing heraus:
  • die Ausweitung der praktischen Tätigkeiten im Unterricht o   damit einhergehend mehr Erfahrungen der Schülerinnen in unterschiedlichen Berufsfeldern
  • realistisches Bewerbungstraining
  • die Schulung der sog. Schlüsselqualifikationen, die im herkömmlichen Unterricht doch recht theoretisch nur vermittelt werden können.
  • Zuwachs an praktischen Fähigkeiten, „Schüler sollen in möglichst vielen Berufsfeldern praktische Erfahrungen sammeln" .
In Frage kommen Berufsfelder, in denen die Schülerinnen später die Möglichkeit einer beruflichen Ausbildung haben. In unseren Schülerübungsfirmen finden sich die Berufsfelder „Ernährung und Hauswirtschaft", „Farbtechnik und Raumgestaltung", „Holztechnik", „Pflegedienste", „Service und Gastgewerbe", „Textiltechnik und Bekleidung" sowie „Verkauf wieder.

Schülerübungsfirmen in Poing

Im Jahre 2004 wurden für die Schülerinnen der Oberstufe, also der Klassen 7 bis 9 am SFZ Poing Schülerübungsfirmen gegründet. Außerdem entstand der Trägerverein school@work e.V.
Im Mittelpunkt der Arbeit steht das Ziel, die „ ... Chancen der Schüler und Schülerinnen auf eine künftige berufliche Eingliederung zu erhöhen." Die Schülerübungsfirmen werden neben einer neuen Form der Berufsvorbereitung auch dem Anspruch der individuellen Lernforderung gerecht: Die Arbeit in unseren Firmen (Kleingruppen mit je 4-6 Schülern) ermöglicht es der Lehrkraft (Firmenchef), intensiv auf alle Schülerinnen (Mitarbeiterinnen) einzugehen. Jede Firma wird von ausgebildeten Sonderschullehrerinnen oder Fachlehrerinnen geleitet.
Durch die Arbeit der Schülerübungsfirmen wird die Schule nach außen geöffnet. Kooperationsformen mit schulischen ebenso wie mit außerschulischen Partnern aus der Arbeitswelt (Handwerk, Industrie, Dienstleistungsbereich) werden angebahnt. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit Fachleuten aus dem Bereich Handwerk kommen ein Schreiner, ein Maler, ein Goldschmied, eine Schneiderin, ein Koch etc. in die Firmen, um den Schülerinnen fachspezifische Kenntnisse und das nötige Know how zu vermitteln. Ein sehr erfreulicher Aspekt ist das Interesse der Eltern an diesem neuen Angebot.
In Fortbildungen für Kolleginnen anderer Schulen berichten wir von unseren Erfahrungen und zeigen Möglichkeiten auf, wie Schülerübungsfirmen an Schulen verwirklicht werden können.
Mit der Arbeit in den Schülerübungsfirmen werden wir gleichzeitig dem Anspruch des fächerübergreifenden Lernens gerecht. Neben dem Erlernen praktischer Fähigkeiten setzen sich Schülerinnen intensiv mit Inhalten aus den Kernfächern Mathematik und Deutsch auseinander: So wird z.B. in jeder Firma nach einem Arbeitstag ein Tagesbericht geschrieben.
Das Schreiben von Rechnungen / Quittungen sowie von Werbetexten üben alle Schülerinnen intensiv und regelmässig.
Auch Mathematik nimmt in der wöchentlichen Arbeit in den Schülerübungsfirmen einen festen Stellenplatz ein: Flächenberechnung bei den „Dienstagsmalern", genaues Messen und Zeichnen bei den Schreinern, Rechnen mit Grössen wie Liter und Gramm bei der „Koch AG" und die Zeitplanung in jeder Firma sind nur einige Beispiele davon.
Die Schülerübungsfirmen bieten uns neue Möglichkeiten und Wege, die Schülerinnen auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Trotzdem ist es uns wichtig, das Betriebspraktikum der Klassen 7-9 in seiner bewährten Form beizubehalten. Auch der Fachunterricht bleibt erhalten.
Weiter Informationen erhalten Sie auf der Internetseite www.school-at-work.de